Google greift Canva an: Drei neue KI-Tools für den Arbeitsalltag
Google bringt mit Pics ein eigenes KI-Bildbearbeitungstool direkt in den Workspace. Dazu kommen besseres Videoverständnis für Gemini und neue Android-Funktionen.

Google erweitert seinen KI-Werkzeugkasten. Mit Google Pics, dem agentischen Videoverständnis für Gemini und fünf neuen Android-Funktionen richtet sich das Unternehmen an Nutzerinnen und Nutzer, die täglich im Google Workspace arbeiten. Für kleine Teams und Selbstständige sind einige dieser Neuerungen konkret relevant.
Google Pics: Bildbearbeitung ohne Umweg über Canva
Google Pics ist ein neues KI-Tool zur Bilderstellung und Bildbearbeitung, das direkt im Google Workspace integriert ist. Wer dort ohnehin täglich arbeitet, muss künftig für einfache Bildprojekte kein externes Tool mehr öffnen.
Die Funktionen sind klar umrissen: Bilder per Texteingabe erstellen, einzelne Objekte isolieren, Textelemente im Bild direkt bearbeiten, zusätzliche Illustrationen per Prompt einfügen sowie Helligkeit, Stil und Komposition über einfache Sprachbefehle anpassen.
Teams können an Bildprojekten gemeinsam arbeiten, cloudbasiert und in der gewohnten Umgebung. Das ist der praktische Unterschied zu separaten Tools wie Canva oder Adobe Photoshop.
Wer hat Zugang?
Google Pics ist über pics.new erreichbar. Der Zugang wird schrittweise ausgerollt, verfügbar für Business- und Education-Abonnements sowie für private Abos wie Google AI Pro und Google AI Ultra. Deutsch wird unterstützt.
Für Gründerinnen und Gründer bedeutet das: Wer bereits ein Google Workspace Abo nutzt, bekommt ein weiteres Werkzeug ohne Aufpreis. Wer bisher für Canva zahlt und nur grundlegende Funktionen nutzt, sollte prüfen, ob Google Pics ausreicht.
Gemini versteht Videos besser, und das spart Kosten
Google hat für seine Gemini-Modelle eine neue Funktion eingeführt: das sogenannte Agentic Video Understanding, also agentisches Videoverständnis. Bisher analysierten KI-Modelle Videos typischerweise mit einem Frame pro Sekunde. Das neue Verfahren kombiniert Bildanalyse, Audioinhalte und Transkripte, sodass die Modelle den Kontext eines Videos besser erfassen und relevante Stellen gezielter hervorheben können.
Für Entwicklerinnen und Entwickler ist eine Zahl besonders interessant. Google gibt an, dass durch das neue Verfahren bis zu 88 Prozent weniger sogenannte Tokens, also die Verarbeitungseinheiten der KI, nötig sein können. Das soll die Kosten um bis zu 66 Prozent senken. Diese Werte gelten laut Google für den Idealfall; in der Praxis hängen die tatsächlichen Einsparungen vom jeweiligen Anwendungsfall ab.
Die Funktion kommt in die Gemini App und in die YouTube-Fragefunktion Ask YouTube. Entwicklerinnen und Entwickler können sie über die Gemini API im Google AI Studio und auf der Gemini Enterprise Agent Platform nutzen.
Was das für kleine Teams bedeutet
Wer KI-Anwendungen auf Basis der Gemini API baut und dabei Videos verarbeitet, sollte die neue Funktion testen. Geringere Token-Kosten können bei regelmäßiger Nutzung relevant werden. Wer keine eigenen KI-Anwendungen entwickelt, profitiert über die Gemini App und YouTube indirekt.
Fünf neue Android-Funktionen: Gemini als Alltagsassistent
Google hat außerdem fünf neue Android-Funktionen angekündigt. Die meisten davon sind für den privaten Gebrauch gedacht. Für den Arbeitsalltag relevant ist vor allem der Gemini-Support für den Find Hub, Googles Ortungsfunktion für verlorene Geräte und Gegenstände. Gemini soll dabei helfen, verlorene Dinge schneller wiederzufinden.
Weitere Neuerungen umfassen personalisierte Chat-Hintergründe, eine Google Keep-Funktion zur gemeinsamen Notizerstellung aus Chats heraus, die Funktion Guided Vision für sehbeeinträchtigte Personen sowie Motion Assist gegen Reisekrankheiten. Die letzteren Funktionen sind klar auf Verbraucheranwendungen ausgerichtet.
Fazit: Prüfen, nicht automatisch wechseln
Google bündelt mehr Funktionen im Workspace-Abo. Das kann für kleine Teams die Zahl der benötigten Einzeltools reduzieren. Ob Google Pics ein vollständiger Ersatz für Canva oder Photoshop ist, hängt vom konkreten Bedarf ab. Wer professionelle Grafikprojekte umsetzt, wird weiterhin spezialisierte Tools brauchen.
Die Kosteneinsparungen beim Videoverständnis sind relevant für alle, die KI-Anwendungen mit Videoverarbeitung entwickeln oder betreiben. Wer noch keine solchen Anwendungen nutzt, sollte die Funktion im Blick behalten, sobald das eigene Geschäftsmodell in diese Richtung geht.
Google bündelt mehr Funktionen in einem Abo. Wer bereits im Google-Ökosystem arbeitet, sollte prüfen, welche externen Tools sich dadurch ersetzen lassen, bevor der nächste Verlängerungstermin kommt.


