Fyndl vor dem Launch: Wenn Technik-Gründer verkaufen lernen müssen
Amerigo Velletti steht mit seiner Secondhand-Suchmaschine Fyndl kurz vor dem App-Store-Start. Was sein Weg zeigt: Technisches Können allein reicht nicht, um ein Produkt auf den Markt zu bringen.

Achtzig Personen stehen auf der Warteliste, die App-Store-Zertifizierung liegt vor, der Name ist neu: Amerigo Velletti, 21 Jahre alt, treibt seine KI-gestützte Secondhand-Suchmaschine Fyndl auf die Ziellinie. Doch der Berliner Gründer zögert noch. Der Grund ist kein technisches Problem, sondern ein persönliches: Er muss eine Rolle übernehmen, die ihm nicht liegt.
Was Fyndl ist und was es können soll
Die Idee hinter Fyndl ist konkret. Nutzer geben ein, wonach sie suchen, wie hoch ihr Budget ist und wofür sie das Produkt brauchen. Die Plattform durchsucht dann angebundene Secondhand-Marktplätze und schlägt passende Angebote vor. Aktuell greift Fyndl auf Rebuy, eBay Refurbished, As Good As New und ESM Computers zu. Vellettis Ziel: das Idealo für den Gebrauchtwarenmarkt.
Das Konzept ist nicht neu, aber der Ansatz ist klar umrissen. Statt selbst Waren zu handeln, bündelt die Plattform bestehende Angebote. Das spart Lagerkosten und Logistik. Das Modell steht und fällt mit der Qualität der KI-Suche und der Breite der angebundenen Quellen.
Wo die KI noch patzt
Velletti hat die Plattform in den vergangenen Wochen intensiv getestet. Dabei zeigen sich Lücken. Gibt ein Nutzer "Ich suche Schuhe" ein und die Kategorie Schuhe fehlt in der Datenbank, schlägt die KI ein MacBook vor. Das ist kein Randproblem. Wer eine Suchmaschine baut, braucht eine Suche, die funktioniert.
Velletti arbeitet daran, dass Anfragen künftig den richtigen Produktkategorien zugeordnet werden. Bis dahin bleibt der Launch offen. Er hat die Kontrolle darüber, wann er die Apps in den Apple Store und den Google Play Store einstellt. Die Zertifizierung ist bereits erteilt.
Neuer Name, neues Logo, alte Unsicherheit
Auch abseits der Technik gab es Änderungen. Der ursprüngliche Name Remtio ist Geschichte. Nach eigenen Angaben wertete Velletti gemeinsam mit einem Marketingexperten mehr als 300 Namensideen aus. Das Ergebnis: Fyndl, angelehnt an das englische Wort "find".
Der alte Name klang für ihn zu sehr nach einem Antiquitätenhändler. Der neue ist deskriptiv und damit leichter einzuordnen. Für eine App, die Nutzern beim Finden von Produkten helfen soll, ist das keine schlechte Wahl.
Offen bleibt das Logo. Ein F mit grünem Pfeil, das vor dem Launch noch überarbeitet werden soll. Für sich allein ist das eine Kleinigkeit. Zusammen mit Namensänderung und KI-Fehlern zeigt es aber: Es gibt noch mehrere offene Baustellen gleichzeitig.
Das eigentliche Problem: vom Baumeister zum Verkäufer
Velletti ist Techniker. Er hat eine App gebaut. Was jetzt kommt, ist etwas anderes: Er muss das Produkt aktiv vermarkten, Nutzer ansprechen und erklären, warum sie Fyndl brauchen. Das ist eine andere Kompetenz als Code schreiben.
Viele Gründer mit technischem Hintergrund kennen diesen Punkt. Das Produkt ist fertig genug, aber der Schritt nach draußen fühlt sich falsch an. Wer wartet, bis alles perfekt ist, wartet meistens zu lange. Der Markt gibt kein Feedback auf Produkte, die niemand sieht.
Achtzig Interessenten auf der Warteliste sind ein Signal. Sie haben sich eingetragen, ohne die App je genutzt zu haben. Das ist eine Grundlage, keine Garantie. Aber es ist genug, um anzufangen.
Was Gründer in ähnlicher Lage daraus mitnehmen können
Wer ein Produkt baut, kommt irgendwann an den Punkt, an dem Technik und Vertrieb gleichzeitig gefragt sind. Beides alleine zu stemmen ist schwer. Velletti ist allein unterwegs, zumindest was Fyndl betrifft.
Der Fehler, den viele in dieser Phase machen: Sie feilen weiter am Produkt, statt es in echte Nutzerhände zu geben. Jede Überarbeitung kostet Zeit. Und Zeit ist bei einem kleinen Team oder einer Ein-Personen-Gründung das knappste Gut.
Das bedeutet nicht, ein kaputtes Produkt zu veröffentlichen. Der MacBook-statt-Schuhe-Fehler muss weg, bevor Nutzer die App bewerten. Aber das Logo kann nach dem Launch kommen.
Fazit
Fyndl ist kein fertiges Produkt, aber ein konkretes. Der Markt für Secondhand-Waren wächst, eine plattformübergreifende Suchmaschine fehlt bislang. Ob das Konzept trägt, wird sich erst zeigen, wenn echte Nutzer die App verwenden. Die achtzig Personen auf der Warteliste warten. Wie lange, entscheidet Velletti selbst.


