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23. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Digital & KI

Exit mit 22: Gründer verkauft KI-Startup und baut Prognosemarkt

Vincent Betz brach sein Masterstudium ab, gründete ein KI-Startup zur Markensichtbarkeit in KI-Antworten und verkaufte es im Mai 2026 an einen US-Wettbewerber. Jetzt entwickelt er eine Wettplattform für den deutschen Markt.

Exit mit 22: Gründer verkauft KI-Startup und baut Prognosemarkt
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Vincent Betz ist 25 Jahre alt und hat bereits einen Startup-Exit hinter sich. Im Mai 2026 verkaufte er sein Unternehmen "Jarts" an einen US-amerikanischen Wettbewerber. Jetzt baut er ein neues Produkt: "Bettie", einen sogenannten Prediction Market, also eine Plattform, auf der Nutzer auf den Ausgang realer Ereignisse wetten können. Das Vorbild ist Polymarket, eine bekannte US-Plattform für solche Prognosemärkte.

Vom Auslandssemester zum Startup-Exit

Der Ausgangspunkt liegt einige Jahre zurück. Betz studierte Wirtschaft und verbrachte ein Auslandssemester an der Universität Berkeley in Kalifornien. Er besuchte Unternehmen wie Apple, Google und Meta im Silicon Valley. Ein Gespräch mit der Marketingleiterin einer Tech-Beratung Ende 2023 gab den Anstoß für sein erstes Startup.

Das Thema: Suchmaschinenoptimierung für KI-Systeme. Gemeint ist damit, Inhalte so aufzubereiten, dass KI-Chatbots wie ChatGPT oder Perplexity sie in ihren Antworten zitieren. Unternehmen erhoffen sich dadurch mehr Sichtbarkeit bei potenziellen Kunden.

Betz kehrte nach München zurück, brach seinen Master ab und gründete "Jarts" gemeinsam mit Alexander Geils. Die beiden entwickelten ein System, das misst, wie häufig und in welchem Ton KI-Systeme bestimmte Marken in ihren Antworten erwähnen. Dafür sammelten sie mit einer Partnerfirma hundert typische Kundenanfragen, spielten diese automatisiert über verschiedene KI-Modelle aus und werteten die Ergebnisse aus.

Paris, Zweifel, Verkauf

Ein Venture-Capital-Fonds, eine Beteiligungsgesellschaft für frühe Startup-Phasen, unterstützte die Gründer mit einem Fellowship. Vier Monate lang stellte der Fonds ihnen eine Wohnung in Paris zur Verfügung. Im Gegenzug wollte er die Gründer frühzeitig kennenlernen und beobachten.

Im Oktober 2025 kehrten Betz und Geils zurück. Zu diesem Zeitpunkt wuchsen die Zweifel am Geschäftsmodell. Der Markt für KI-Sichtbarkeitsanalyse hatte sich rasch gefüllt. Immer mehr Anbieter drängten in dasselbe Segment. Betz zog die Konsequenzen.

Im Mai 2026 verkauften die beiden Gründer "Jarts" an ein US-Unternehmen. Den Verkauf handelten sie in Prag aus, weil dort der Geschäftsführer des Käufers ansässig ist. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Neues Projekt: Prognosemarkt für Deutschland

Seit Juli 2026 nimmt Betz an einem zehnwöchigen Startup-Fellowship der Publikation Gründerszene in Berlin teil. Acht ausgewählte Teilnehmer entwickeln dort mit Hilfe von KI-Werkzeugen eigene Verbraucher-Apps. Betz arbeitet an "Bettie".

Prediction Markets funktionieren so: Nutzer kaufen Anteile auf den Ausgang eines Ereignisses, etwa einer Wahl oder einer wirtschaftlichen Entscheidung. Liegt die Mehrheit richtig, steigt der Wert ihrer Anteile. Falsch liegende Wetter verlieren ihren Einsatz. Das bekannteste Beispiel ist Polymarket aus den USA.

Für den deutschen Markt gibt es bislang kein etabliertes Pendant. Betz will diese Lücke besetzen. Ob und wie "Bettie" mit dem deutschen Glücksspiel- und Finanzmarktrecht vereinbar ist, bleibt eine zentrale offene Frage. Prediction Markets bewegen sich rechtlich in einem unklaren Bereich, der von Land zu Land unterschiedlich geregelt ist.

Was Gründer daraus mitnehmen können

Die Geschichte von Betz zeigt zwei Punkte, die für kleine Gründerteams relevant sind. Ein Exit muss nicht bedeuten, dass ein Produkt gescheitert ist. Der Verkauf an einen Wettbewerber ist eine legitime Ausstiegsstrategie, wenn der Markt enger wird.

Der Fall zeigt auch, wie schnell sich KI-nahe Märkte verändern. Was Anfang 2024 noch ein Nischenthema war, hatte bis Ende 2025 viele Wettbewerber angezogen. Wer in solchen Segmenten gründet, sollte früh prüfen, ob das Geschäftsmodell auch bei steigendem Wettbewerb trägt.

Ob "Bettie" ähnlich endet wie "Jarts", ist offen. Das Fellowship läuft noch bis Ende September 2026.

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