Praxissoftware: Start-up Eterno greift CGM mit 100-Mio.-Deal an
Eterno Health kauft einen Berliner Softwareanbieter und erhält mehr als 100 Millionen Dollar von einem Wachstumsinvestor. Der Marktführer CompuGroup Medical verliert offenbar Kunden.

Eterno Health will den Markt für Arztpraxis-Software neu ordnen. Das Münchner Start-up hat das Berliner IT-Unternehmen Doc Cirrus übernommen und gleichzeitig eine Finanzierungsrunde mit dem internationalen Investor Verdane abgeschlossen. Das Volumen: angeblich mehr als 100 Millionen Dollar. Für ein Start-up mit 240 Mitarbeitern ist das ein erheblicher Schritt.
Was Eterno vorhat
Die Gründer Maximilian Waldmann und Frederic Haitz haben Eterno Health 2019 gegründet. Der ursprüngliche Plan war ein Co-Working-Space für Ärzte. Daraus wurde nichts. Stattdessen bauten sie Software für Praxen: automatisierte Terminbuchung, Dokumentation, Abrechnung.
Das Ziel ist klar formuliert. Bis 2030 sollen 50.000 Ärztinnen und Ärzte Eterno nutzen. Das wäre etwa ein Siebtel aller aktiven Ärzte in Deutschland. Derzeit sind es erst einige Tausend.
Die Übernahme von Doc Cirrus ist dabei nur der Anfang. Waldmann kündigt weitere Zukäufe an. In Deutschland gibt es derzeit rund 150 Anbieter von Praxisverwaltungs-Software. Waldmann erwartet eine starke Konsolidierung: Nur wenige werden übrig bleiben.
Warum der Zeitpunkt passt
Der Markt ist gerade in Bewegung. Nach Daten des Zentralinstituts für kassenärztliche Versorgung sind viele Praxen mit ihren bisherigen Systemen unzufrieden. Vor allem mit CompuGroup Medical (CGM), dem langjährigen Marktführer aus Koblenz.
CGM wurde von Frank Gotthardt aufgebaut. Das Unternehmen setzt mehr als eine Milliarde Euro um und ist profitabel. Allein in Forschung und Entwicklung arbeiten dort 2700 Menschen. Eterno hat insgesamt 240 Beschäftigte.
Waldmann sagt, 70 Prozent der Eterno-Kunden kämen von CGM und Medatixx. Das deutet auf eine echte Wechselbewegung hin.
CGM sieht das anders. Das Unternehmen erklärt, die Zi-Erhebung stamme aus dem Frühsommer 2025. Seitdem sei die technische Qualität verbessert worden. Die Wechselbereitschaft sei gesunken. CGM nennt eigene KI-Produkte als Beleg für seine Innovationskraft.
Was Eterno technisch verspricht
Ein konkreter Unterschied betrifft die Infrastruktur. Schätzungsweise 95 Prozent der heute genutzten Praxissoftware läuft noch über physische Server vor Ort. Solche Server kosten schnell 20.000 Euro. Eterno setzt auf cloudbasierte Systeme. Ärzte können damit von überall auf Daten zugreifen.
Waldmann beziffert den Zeitgewinn in Praxen auf rund 30 Prozent. Diese Zahl ist nicht unabhängig geprüft. Sie zeigt aber, wie das Unternehmen seinen Verkaufsansatz aufbaut: weniger Verwaltung, mehr Zeit für Patienten.
Die Lücke zwischen Anspruch und Realität
Bei der Übernahme von Doc Cirrus gibt es eine auffällige Diskrepanz. Eterno spricht von rund 8000 Arztpraxen, die Doc Cirrus nutzen. Die Installationsstatistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zählt dagegen nur rund 700 Praxen. Die KBV-Statistik erfasst ausschließlich Praxen, die gesetzlich Versicherte behandeln. Die Differenz erklärt sich also teilweise durch Privatpraxen und andere Einrichtungen. Trotzdem ist der Unterschied groß.
Für junge Unternehmen, die selbst Investoren überzeugen wollen, ist das ein Hinweis: Nutzerzahlen potenzieller Übernahme-Kandidaten sollten sorgfältig geprüft werden. Öffentliche Statistiken liefern eine Vergleichsbasis.
Was das für kleine Unternehmen bedeutet
Wer eine Arztpraxis führt oder im Gesundheitsbereich gründet, sollte den Markt beobachten. Die Konsolidierung bei Praxissoftware wird Anbieter verschwinden lassen. Wer jetzt einen Fünfjahresvertrag mit einem kleinen Anbieter schließt, riskiert, dass der Anbieter in zwei Jahren übernommen oder abgeschaltet wird.
Für Gründer außerhalb des Gesundheitsbereichs zeigt das Eterno-Beispiel etwas anderes: Märkte mit vielen unzufriedenen Kunden und veralteter Infrastruktur sind angreifbar. Auch wenn der Marktführer groß und profitabel ist.
Fazit
Eterno Health hat sich mit der Doc-Cirrus-Übernahme und der Verdane-Finanzierung deutlich verstärkt. Das Ziel, CGM und Medatixx zu überholen, bleibt ambitioniert. Der Größenunterschied ist erheblich: CGM ist profitabel und umsatzstark, Eterno wächst mit Investorengeld. Ob das reicht, hängt davon ab, wie schnell Ärzte wirklich wechseln und ob Eterno die eingekauften Systeme sauber integriert.


